Es gibt Fahrradmarken, deren Namen man kennt. Und es gibt Marken, deren Fahrräder eine eigene Geschichte erzählen. Colnago gehört zur zweiten Kategorie. Wer ein Colnago sieht, erkennt häufig nicht nur ein Rennrad, sondern ein Stück Radsportkultur: die charakteristische Formensprache, die Verbindung zu großen Fahrern und Rennen, die italienische Herkunft. Gleichzeitig ist Colnago längst kein Hersteller, der allein von seiner Vergangenheit lebt. Mit dem V5Rs, dem Y1Rs und dem neuen C72 Road stehen heute hochentwickelte Rennmaschinen im Programm. Im Gravel-Bereich reichen die Konzepte vom sportlichen G4-X bis zum handgefertigten C68 Gravel. Interessant wird die aktuelle Modellpalette vor allem deshalb, weil sie unterschiedliche Vorstellungen vom modernen Rennrad nebeneinanderstellt. Maximale Aerodynamik steht gegen geringes Gewicht, industrielle Carbon-Monocoques treffen auf modulare Handarbeit, Race-Geometrie auf Allroad-Tauglichkeit. Wer sich für ein Colnago Rennrad oder Gravel-Bike 2026/2027 interessiert, sollte deshalb nicht nur auf Gewicht, Schaltgruppe und Laufräder schauen. Die eigentliche Frage lautet: Was soll dieses Fahrrad können – und welche Idee von einem Rennrad steckt dahinter?
Produkte nach Marke
-
Colnago C68
Ursprünglicher Preis war: 12.500,00 €9.999,00 €Aktueller Preis ist: 9.999,00 €. -
Colnago V4Rs Ultegra Di2 Vision
Ursprünglicher Preis war: 9.090,00 €5.879,00 €Aktueller Preis ist: 5.879,00 €. -
Colnago V5Rs
Ursprünglicher Preis war: 15.900,00 €13.989,00 €Aktueller Preis ist: 13.989,00 €.
Colnago: Eine Geschichte, die im Rennsport begann
Die Geschichte beginnt 1954 in Cambiago, einer Gemeinde östlich von Mailand. Dort eröffnete Ernesto Colnago seine erste eigene Werkstatt. Der Raum war gerade einmal rund 20 Quadratmeter groß. Colnago war damals noch kein berühmter Rahmenbauer. Er hatte beim Mailänder Fahrradhersteller Gloria gearbeitet. Ein Unfall beim Training führte dazu, dass er zeitweise nicht mehr wie gewohnt in der Fabrik arbeiten konnte. Stattdessen begann er, zu Hause Fahrräder zu montieren und Laufräder aufzubauen. Aus dieser improvisierten Tätigkeit entwickelte sich schließlich seine eigene Werkstatt. Schon früh war der professionelle Radsport das Umfeld, in dem Colnago seine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. 1955 lernte Ernesto Colnago den italienischen Rennfahrer Fiorenzo Magni kennen. Colnago korrigierte ein Problem an Magnis Fahrrad und wurde daraufhin als Helfer zum Giro d’Italia eingeladen. Magni gewann die Rundfahrt. In den folgenden Jahren wuchs Colnagos Ruf. Einer der wichtigsten Namen in dieser Geschichte ist Eddy Merckx. Die Zusammenarbeit mit dem Belgier begann in den 1960er-Jahren und führte zu einigen der berühmtesten Fahrräder der damaligen Zeit. 1972 stellte Merckx auf einem von Colnago gebauten Stahlrad in Mexiko-Stadt den Stundenweltrekord auf. Das Fahrrad wog lediglich 5,75 Kilogramm. Für die damalige Zeit war das eine technische Ansage – und zugleich ein Hinweis auf Colnagos besondere Rolle: Die Marke wollte nicht einfach Fahrräder bauen, sondern sie für die Anforderungen des Spitzensports weiterentwickeln.

Bild: Colnago
Das C40 und der Schritt ins Carbonzeitalter
Ein weiterer Wendepunkt kam in den 1990er-Jahren. Mit dem C40 übertrug Colnago die klassische Konstruktion aus Rohren und Muffen auf Carbon. Das war etwas anderes als die heute weit verbreitete Herstellung eines Rahmens aus einem großen Monocoque-Formteil. Einzelne Carbonteile wurden miteinander verbunden – eine Konstruktionsweise, die bei Colnago später zum Markenzeichen der C-Serie wurde. 1995 gewann Franco Ballerini auf einem C40 Paris-Roubaix. Colnago führt das C40 als das erste Carbonfaser-Rad an, das ein großes Radrennen gewinnen konnte. Die Verbindung aus klassischer Rahmenbauweise und einem damals noch jungen Werkstoff wurde damit nicht nur technisch interessant, sondern sportlich relevant. Diese Geschichte ist wichtig, um die heutigen Colnago-Modelle zu verstehen. Denn die C-Serie ist keine nostalgische Wiederholung alter Rahmen. Sie ist vielmehr der Versuch, eine bestimmte Form des Rahmenbaus in eine Zeit zu übertragen, in der Carbon längst zum Standardmaterial des professionellen Radsports geworden ist.
Welche Colnago Rennräder gibt es 2026/2027?
Die aktuelle Road-Palette lässt sich grob in drei Welten aufteilen:
- Da sind zunächst die V-Modelle, die sehr eng mit dem modernen Profiradsport verbunden sind. Dazu gehören V5Rs, V4Rs und V4.
- Daneben steht die C-Serie mit C72 Road, C68 Road und C68 Road Ti. Hier geht es nicht ausschließlich um das letzte Gramm oder den geringsten Luftwiderstand. Die Konstruktion selbst spielt eine zentrale Rolle.
- Und schließlich gibt es mit dem Y1Rs ein Rennrad, bei dem die Aerodynamik besonders konsequent in den Mittelpunkt gerückt wurde.
Die offizielle Colnago-Modellübersicht führt derzeit C72 Road, Y1Rs, V5Rs, V4Rs und V4 als zentrale Rennradmodelle.
Colnago V5Rs: Das Rennrad für die moderne WorldTour
Das V5Rs ist derzeit die vielleicht klarste Antwort auf die Frage, wie Colnago ein modernes Race-Bike versteht. Das Ziel war nicht, einen extrem leichten Rahmen zu bauen und dafür bei anderen Eigenschaften Kompromisse einzugehen. Colnago hat Gewicht, Aerodynamik, Steifigkeit und Handling gemeinsam betrachtet. Der Rahmen bringt unlackiert 685 Gramm auf die Waage und ist damit laut Hersteller das leichteste Colnago, das bislang gebaut wurde. Bemerkenswert ist allerdings nicht nur das Gewicht. Die Stirnfläche wurde gegenüber dem Vorgänger reduziert; gleichzeitig erlaubt der Rahmen Reifen bis 32 Millimeter. Das V5Rs versucht damit, zwei Eigenschaften zusammenzubringen, die lange als Gegensätze galten: Leichtbau und Aerodynamik.
Auch die Entwicklung folgt einem modernen Muster. Colnago arbeitet mit CFD-Simulationen, 3D-gedruckten Prototypen, Windkanaltests und anschließendem Testeinsatz durch Profifahrer. Das V5Rs ist damit weniger ein klassischer italienischer Rahmen, der nur mit zeitgemäßen Komponenten ausgestattet wurde. Es ist ein vollständig auf den heutigen Rennsport ausgerichtetes Entwicklungsprojekt. Der offizielle Einstiegspreis liegt derzeit bei 10.000 Euro.
Colnago Y1Rs: Wenn der Luftstrom zum Konstrukteur wird
Das Y1Rs geht einen anderen Weg. Hier steht die Aerodynamik im Vordergrund. Die auffällig geformte Frontpartie und das integrierte Cockpit sind nicht in erster Linie Designelemente. Sie sind Teil eines Konzepts, bei dem der Luftstrom möglichst effizient um Fahrer und Fahrrad geführt werden soll. Colnago hat dabei Erkenntnisse aus der Entwicklung des Y1Rs später auch in andere Modelle einfließen lassen. Das V5Rs profitiert beispielsweise von den aerodynamischen Entwicklungsarbeiten, die mit dem Y1Rs entstanden sind. Im professionellen Radsport ist das Y1Rs inzwischen ebenfalls angekommen. Bei der Tour de France 2026 setzte Tadej Pogačar auf den Straßenetappen auf das Y1Rs. Colnago berichtet außerdem vom fünften Tour-de-France-Sieg Pogačars auf einem Y1Rs. Mit einem offiziellen Einstiegspreis von 12.300 Euro bewegt sich das Y1Rs klar im oberen Segment. Wer sich zwischen Y1Rs und V5Rs entscheidet, vergleicht deshalb nicht einfach zwei unterschiedlich teure Rennräder. Es sind zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie lässt sich ein modernes Race-Bike möglichst schnell machen?

Bild: Colnago Y1Rs
Colnago C72 Road: Die vielleicht interessanteste Konstruktion der aktuellen Palette
Das C72 Road ist das Modell, an dem sich die Besonderheit von Colnago besonders gut erklären lässt. Der Rahmen entsteht nicht als klassisches Monocoque. Stattdessen werden mehrere Carbonteile miteinander verbunden. Colnago spricht von sieben Bauteilen, die in Italien zusammengefügt werden. Die einzelnen Verbindungen sind dabei nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern Teil der Gestaltung des Rahmens. Der neue C72 ist zugleich moderner geworden. Die Reifenfreiheit reicht bis 35 Millimeter, die Geometrie wurde überarbeitet und das Verhältnis von Stack und Reach ermöglicht eine etwas weniger aggressive Sitzposition als bei einem kompromisslosen Race-Bike. Auch beim Gewicht hat sich etwas getan: Ein unlackierter Rahmen in Größe 485 wiegt laut Colnago 895 Gramm. Mit entsprechendem Aufbau soll ein Komplettgewicht von 6,8 Kilogramm erreichbar sein. Der Einstiegspreis liegt aktuell bei 14.200 Euro.
Das C72 ist deshalb weniger eine Alternative zum V5Rs als eine andere Interpretation desselben Themas. Das V5Rs spricht stärker die Sprache des Profirennsports. Das C72 verbindet Leistung mit der handwerklichen Tradition der C-Serie.
C68 Road und C68 Road Ti: Colnagos besondere Seite
Auch das C68 Road gehört weiterhin zum Programm der C-Serie. Noch exklusiver ist das C68 Road Ti. Beim C68 Road Ti werden Carbon und 3D-gedrucktes Titan miteinander verbunden. Zwei Titanverbindungen sitzen an zentralen Übergängen des Rahmens. Die Titanbauteile werden additiv gefertigt und anschließend in die modulare Carbonkonstruktion integriert. Colnago bietet sogar individuell angepasste Geometrien an. Das ist eine andere Welt als ein typisches Serien-Rennrad. Das C68 Road Ti richtet sich an Menschen, für die ein Fahrrad nicht nur möglichst effizient sein soll. Es geht auch um Material, Fertigung und Individualität. Der Preis von aktuell rund 13.710 Euro für das C68 Road Ti unterstreicht diese Positionierung.
Colnago V4Rs: Das bewährte Profi-Konzept
Zwischen den neuen Spitzenmodellen und den günstigeren Varianten bleibt das V4Rs ein wichtiger Bestandteil der Colnago-Palette. Das Modell wurde ursprünglich sehr eng für den Einsatz im professionellen Rennsport entwickelt und steht für die V-Serie in ihrer klassischen Form: Monocoque-Carbon, geringes Gewicht, hohe Steifigkeit und eine sportliche Geometrie. Der aktuelle Preis liegt bei 7.760 Euro. Damit liegt das V4Rs deutlich unter V5Rs und Y1Rs, bleibt aber klar im Premiumbereich.
Colnago V4: Rennrad ohne den ganz großen Preisaufschlag
Das V4 ist der zugänglichere Einstieg in die V-Serie. Der Rahmen basiert ebenfalls auf einer Monocoque-Konstruktion. Angeboten wird das Modell unter anderem mit Shimano Ultegra Di2, Shimano 105 Di2 und SRAM Rival AXS. Die Reifenfreiheit beträgt bis zu 32 Millimeter. Mit einem Einstiegspreis von 5.200 Euro ist das V4 erheblich günstiger als die Spitzenmodelle. Interessant ist dabei weniger der Versuch, mit dem V5Rs zu konkurrieren. Das V4 soll die grundsätzliche Idee eines sportlichen Colnago zugänglicher machen: leicht, direkt, aerodynamisch gezeichnet und mit moderner Ausstattung.

Bild: Colnago G4-X
Colnago Gravel: Was können die aktuellen Modelle?
Gravel hat die Grenzen zwischen Rennrad und Offroad-Bike in den vergangenen Jahren verschoben. Auch bei Colnago ist diese Entwicklung angekommen – allerdings mit einer klar sportlichen Handschrift. Aktuell stehen vor allem G4-X und C68 Gravel für das Gravel-Programm. Das C68 Allroad liegt bewusst dazwischen.
Colnago G4-X: Gravel mit Rennsport-DNA
Das G4-X ist das sportlichere und zugleich preislich zugänglichere Gravel-Modell. Es ersetzt das G3-X und wurde ausdrücklich für Gravel Racing entwickelt. Die Konstruktion greift laut Colnago auf Erfahrungen aus Cyclocross und der V-Serie zurück. Die Reifenfreiheit wurde gegenüber dem G3-X auf bis zu 45 Millimeter erweitert. Außerdem ist der Rahmen UDH-kompatibel und kann sowohl mit 1-fach- als auch 2-fach-Antrieben aufgebaut werden. Damit wird deutlich, wohin die Reise geht: Das G4-X ist kein gemütliches Tourenrad mit Rennlenker. Es ist für Fahrer gedacht, die auf Schotter Tempo machen wollen. Im offiziellen Colnago-Sortiment startet das G4-X aktuell bei 4.330 Euro. Für 2027 werden bereits verschiedene G4-X-Komplettaufbauten im Handel geführt, unter anderem mit Shimano GRX und SRAM XPLR.
Colnago C68 Gravel: Handarbeit für den Schotter
Das C68 Gravel verfolgt einen anderen Ansatz. Der Rahmen wird wie die anderen C68-Modelle modular aufgebaut und in Italien von Hand montiert. Die maximale Reifenbreite liegt bei 42 Millimetern. Colnago hat sich bewusst gegen noch mehr Reifenfreiheit entschieden. Die Begründung ist bemerkenswert: Das C68 Gravel soll präzise, schnell und direkt bleiben. Ein noch größerer Reifenquerschnitt würde diese Charakteristik verändern. Damit ist das C68 Gravel interessant für Menschen, die Gravel nicht ausschließlich mit möglichst großen Reifen verbinden. Es richtet sich an Fahrer, die Geschwindigkeit und Fahrdynamik hoch gewichten, aber nicht auf befestigte Straßen beschränkt sein möchten. Der aktuelle Einstiegspreis beträgt 7.250 Euro. Für die Saison 2027 werden bereits konkrete C68-Gravel-Konfigurationen angeboten, unter anderem mit Shimano GRX Di2 und SRAM XPLR.
C68 Allroad: Das Bindeglied zwischen Rennrad und Gravel
Noch interessanter wird die Modellpalette beim C68 Allroad. Colnago beschreibt das Fahrrad selbst als Roadbike, das zugleich leichtes Gravel fahren kann. Bis zu 35 Millimeter breite Reifen passen in den Rahmen. Die Geometrie fällt etwas höher und kürzer aus als beim C68 Road. Das sorgt für eine aufrechtere Position und mehr Kontrolle auf schlechten Straßen. Das Allroad-Konzept dürfte gerade für Rennradfahrer interessant sein, die ihre Touren nicht mehr nach der Frage planen wollen, ob der nächste Kilometer asphaltiert ist. Für grobe Singletrails ist das C68 Allroad ausdrücklich nicht gedacht. Colnago empfiehlt das Bike für leichte Schotterwege und befestigte Feldwege; steinige Trails, Sprünge und Rock Gardens gehören nicht zum vorgesehenen Einsatzbereich. Der aktuelle Preis liegt bei 8.950 Euro.
Colnago 2026/2027: Die wichtigsten Modelle im Überblick
| Modell | Kategorie | Charakter | Reifenfreiheit | Aktueller Preis* |
|---|---|---|---|---|
| V5Rs | Rennrad | Race, leicht und aerodynamisch | 32 mm | ab 10.000 € |
| Y1Rs | Rennrad | Aero-Race | – | ab 12.300 € |
| C72 Road | Rennrad | Handarbeit, Performance, Langstrecke | 35 mm | ab 14.200 € |
| C68 Road | Rennrad | modulare Carbonkonstruktion | 32 mm | ca. 10.105 € |
| C68 Road Ti | Rennrad | Carbon + 3D-Titan | 32 mm | ca. 13.710 € |
| V4Rs | Rennrad | WorldTour-Race | 32 mm | 7.760 € |
| V4 | Rennrad | sportlicher Allrounder | 32 mm | ab 5.200 € |
| C68 Allroad | Allroad | Asphalt + leichter Schotter | 35 mm | 8.950 € |
| C68 Gravel | Gravel | Premium-Gravel, handgefertigt | 42 mm | 7.250 € |
| G4-X | Gravel | Gravel Racing | 45 mm | ab 4.330 € |
Offizielle Colnago-Preise bzw. aktuelle Preisangaben zum Stand September 2026. Ausstattungen und Verfügbarkeiten können je nach Markt variieren. Die Bezeichnung „2027“ sollte nicht pauschal auf jedes Modell übertragen werden, da Colnago auf seiner offiziellen Modellübersicht nicht jedes Fahrrad mit einem Modelljahr versieht.
Welche Colnago passt zu welchem Einsatzzweck?
Wer regelmäßig schnelle Straßenrennen fährt oder das Rennrad vor allem als Sportgerät betrachtet, landet schnell bei V5Rs oder Y1Rs. Das V5Rs setzt stärker auf die Balance aus Gewicht und Aerodynamik, das Y1Rs auf maximale Aero-Performance. Das C72 Road ist für eine andere Art von Käufer interessant: Hier zählen neben der Leistung die Konstruktion, die italienische Fertigung und die besondere Anmutung des Rahmens.
Wer ein klassisches Colnago-Rennrad mit professioneller Ausrichtung sucht, findet im V4Rs weiterhin eine interessante Schnittstelle zwischen Preis und Rennsporttechnik. Das V4 macht die V-Serie etwas erschwinglicher. Im Gelände entscheidet sich die Frage anders. Das G4-X ist die sportliche Wahl für Gravel Racing und schnelle Schottertouren. Das C68 Gravel bringt die handgefertigte C-Serie auf den Schotter. Wer dagegen überwiegend Straße fährt und nur gelegentlich auf unbefestigte Wege abbiegt, findet im C68 Allroad eine interessante Zwischenlösung.
Was Colnago von anderen Premium-Rennradmarken unterscheidet
Der Reiz von Colnago lässt sich nicht auf einen einzelnen technischen Wert reduzieren. Das V5Rs ist leichter. Das Y1Rs ist konsequent auf Aerodynamik getrimmt. Andere Hersteller bieten ebenfalls handgefertigte Carbonrahmen, elektronische Schaltungen und hochwertige Laufräder. Besonders wird Colnago durch die Kombination aus mehreren Ebenen: die Geschichte im professionellen Radsport, die italienische Fertigung, die C-Serie mit ihrer modularen Konstruktion und gleichzeitig die Bereitschaft, mit neuen Technologien zu arbeiten. Das C68 Road Ti ist dafür ein gutes Beispiel. 3D-gedrucktes Titan klingt zunächst nach Zukunftstechnologie. Gleichzeitig steht dahinter eine Konstruktion, deren Wurzeln bis zum C40 zurückreichen. Auch beim C72 ist dieser Spagat sichtbar. Die sieben Carbonteile werden nicht versteckt. Die Verbindungen gehören zur Konstruktion und zur Gestaltung des Rahmens. Colnago macht daraus keine technische Fußnote, sondern einen Teil der Identität des Fahrrads. Vielleicht liegt genau darin die anhaltende Faszination der Marke.
Colnago und Tadej Pogačar
Die Verbindung zum Spitzensport ist bei Colnago keine historische Randnotiz. Seit 2017 arbeitet die Marke mit dem späteren UAE Team Emirates zusammen. 2020 gewann Tadej Pogačar seine erste Tour de France auf einem Colnago. 2026 folgte sein fünfter Tour-de-France-Sieg; bei den Straßenetappen setzte er dabei auf das Y1Rs. Das ist für die Einordnung der aktuellen Räder durchaus relevant. Denn Colnago entwickelt seine Spitzenmodelle nicht unabhängig vom Profisport. Die Erfahrungen aus dem Rennbetrieb fließen in die Entwicklung ein – von der Aerodynamik bis zum Handling. Gleichzeitig sollte man daraus keine falschen Erwartungen ableiten. Ein Rennrad aus dem WorldTour-Umfeld wird nicht automatisch für jeden Hobbyfahrer zum schnellsten oder angenehmsten Fahrrad. Sitzposition, Geometrie, Reifen, Laufräder und die individuelle Fitness spielen im Alltag eine mindestens ebenso wichtige Rolle.
Wie viel kostet ein Colnago?
Colnago bewegt sich klar im Premiumsegment. Der Einstieg in die aktuelle Rennradpalette liegt beim V4 bei rund 5.200 Euro. Das V4Rs kostet 7.760 Euro, das V5Rs 10.000 Euro. Das Y1Rs liegt bei 12.300 Euro, während das C72 Road bei 14.200 Euro startet. Bei Gravel reicht die Spanne vom G4-X ab 4.330 Euro bis zum C68 Gravel für 7.250 Euro. Das C68 Allroad liegt bei 8.950 Euro. Damit wird auch deutlich, dass „Colnago“ kein einzelnes Preisniveau bezeichnet. Zwischen dem V4 und einem C68 Road Ti liegen mehrere tausend Euro – und dahinter stehen unterschiedliche Rahmenkonzepte und Zielgruppen.
Fazit: Colnago bleibt Colnago – nur das Rennrad hat sich verändert
Mehr als 70 Jahre nach der Gründung in Cambiago wirkt Colnago erstaunlich wenig wie eine Marke, die nur von ihrer Vergangenheit lebt. Die Geschichte mit Fiorenzo Magni, Eddy Merckx und dem C40 gehört zum Fundament. Aber die aktuelle Modellpalette erzählt eine andere Geschichte weiter: von Aerodynamik, immer breiteren Reifen, Gravel, 3D-Druck und neuen Carbonkonstruktionen. Das V5Rs steht für die moderne Race-Maschine, das Y1Rs für konsequente Aerodynamik. Mit dem C72 Road führt Colnago die Idee der handgefertigten C-Serie in eine neue Generation. Das C68 Road Ti geht mit 3D-gedruckten Titanverbindungen noch einen Schritt weiter.
Auf Schotter setzt das G4-X auf Rennsport, während das C68 Gravel die klassische Colnago-Handarbeit mit einer modernen Gravel-Geometrie verbindet. Das C68 Allroad wiederum folgt einer Entwicklung, die den gesamten Radsport verändert: Die Grenzen zwischen Rennrad und Gravel werden zunehmend durchlässig. Colnago muss deshalb 2026 nicht versuchen, jünger zu wirken, als die Marke ist. Die spannendere Strategie ist eine andere: die eigene Geschichte ernst zu nehmen und sie technisch weiterzuentwickeln. Das Ergebnis sind Fahrräder, die ziemlich genau zwischen zwei Welten liegen. Sie wollen schnell sein. Sie wollen schön sein. Und bei den C-Modellen darf man ihnen sogar ansehen, wie sie gebaut wurden.
Lies auch: Gravel Bike Auslaufmodelle 2026
Marcus lebt und atmet das Thema Fahrrad. Wenn er nicht gerade über die neuesten Trends, Technik-Highlights oder spannende Touren schreibt, sitzt er selbst im Sattel seines Cervélo S5 und sammelt Kilometer auf den schönsten Straßen und Anstiegen Europas.
Als leidenschaftlicher Rennradfahrer hat er bereits zweimal den legendären Ötztaler Radmarathon erfolgreich absolviert – eine der härtesten und renommiertesten Jedermann-Veranstaltungen im Radsport. Für ihn sind lange Anstiege, schnelle Abfahrten und anspruchsvolle Herausforderungen kein Hindernis, sondern genau der Grund, warum er das Radfahren liebt.
Immer auf der Suche nach der nächsten geilen Ausfahrt, neuen Strecken und unvergesslichen Fahrerlebnissen, bringt Marcus seine Erfahrungen direkt in seine Beiträge ein. Ob Rennrad, Bike-Technik, Ausrüstung oder Tourentipps – er schreibt aus der Perspektive eines echten Enthusiasten, der weiß, worauf es auf der Straße wirklich ankommt.
Sein Motto: Das beste Rad ist das, das gerade unterwegs ist.




