Bianchi

Bianchi: Die Geschichte einer italienischen Fahrradlegende – und welche Rennräder und Gravel Bikes heute wirklich interessant sind

Wer Bianchi sagt, meint mehr als ein Fahrrad. Kaum eine andere Marke hat es geschafft, technische Entwicklung, Rennsportgeschichte und eine derart unverwechselbare Designsprache über Generationen miteinander zu verbinden. Das berühmte Celeste ist längst so etwas wie eine eigene Farbe im Radsport geworden. Und Namen wie Fausto Coppi, Felice Gimondi oder Marco Pantani haben dafür gesorgt, dass Bianchi tief im kollektiven Gedächtnis des Radsports verankert ist. Doch die Marke lebt nicht allein von ihrer Vergangenheit. Bianchi hat sein Rennrad- und Gravel-Programm in den vergangenen Jahren grundlegend modernisiert. Heute reicht die Palette vom aerodynamischen High-End-Renner Oltre über die leichte Specialissima bis zum komfortableren Infinito. Im Gravel-Bereich stehen mit Impulso und Arcadex zwei Modelle für sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Gravel Bike können sollte. Die spannende Frage lautet deshalb nicht, ob Bianchi gute Fahrräder baut. Das hat die Marke längst bewiesen. Interessanter ist, welches Bianchi zu welchem Fahrer passt – und ob der italienische Klassiker im Jahr 2026 auch technisch noch eine überzeugende Alternative zu Specialized, Trek, Canyon, Cervélo oder Colnago ist.

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Bianchi: Eine Fahrradgeschichte, die 1885 begann

Die Geschichte von Bianchi beginnt in Mailand. 1885 eröffnete der damals gerade 20-jährige Edoardo Bianchi seine Werkstatt in der Via Nirone. Zunächst reparierte und konstruierte er Fahrräder und entwickelte schon früh eigene technische Lösungen. 1888 gehörte Bianchi zu den frühen Herstellern, die Fahrräder mit Luftreifen nach dem Dunlop-Prinzip einsetzten. Schon wenige Jahre später wurde aus dem Handwerksbetrieb ein ernstzunehmender Fahrradhersteller. 1899 gewann Giovanni Tommaselli auf einem Bianchi den Grand Prix de Paris – der erste große internationale Rennerfolg der Marke. Von Beginn an betrachtete Edoardo Bianchi den Rennsport nicht nur als Marketinginstrument, sondern als Testlabor. Die Belastungen im Wettbewerb sollten zeigen, wo ein Fahrrad verbessert werden konnte. Dieser Gedanke prägt Bianchi bis heute. Das erklärt auch, warum die Geschichte von Bianchi und die Geschichte des professionellen Radsports so eng miteinander verbunden sind.

Fausto Coppi und die große Zeit von Bianchi

Der vielleicht wichtigste Name in der Geschichte der Marke ist Fausto Coppi. Der Italiener fuhr ab 1945 für Bianchi und wurde zu einem der größten Rennfahrer seiner Zeit. 1949 gewann Coppi sowohl den Giro d’Italia als auch die Tour de France – als erster Fahrer überhaupt in einem Jahr. Auch 1952 gelang ihm der Sieg bei der Tour. Die Verbindung zwischen Coppi und Bianchi war dabei mehr als eine klassische Sponsoringbeziehung. Das Fahrrad wurde gemeinsam mit den Rennfahrern weiterentwickelt. Bianchi etablierte früh die Idee eines eigenen Rennsportbereichs, des Reparto Corse, der Erfahrungen aus dem professionellen Rennsport direkt in die Entwicklung einfließen ließ. Später folgten weitere große Namen: Felice Gimondi, Gianni Bugno und schließlich Marco Pantani. Besonders Pantani wurde zur Ikone einer Generation. 1998 gewann er auf einem Bianchi sowohl den Giro d’Italia als auch die Tour de France. Bilder des kletternden Italieners auf einem celestefarbenen Bianchi gehören bis heute zu den bekanntesten Motiven der modernen Radsportgeschichte.

Warum Bianchi Celeste trägt

Es gibt kaum eine Fahrradmarke, deren Farbe eine vergleichbare Bedeutung besitzt. Das Bianchi-Celeste ist nicht einfach eine Lackierung. Es ist Teil der Identität der Marke. Die genaue Entstehungsgeschichte des Farbtons wird in unterschiedlichen Varianten erzählt. Sicher ist: Das charakteristische Blaugrün wurde über Jahrzehnte zu einem visuellen Markenzeichen, das Bianchi von nahezu jedem anderen Fahrradhersteller unterscheidet. Und gerade darin liegt ein Teil der Faszination: Ein Bianchi muss nicht zwangsläufig Celeste sein. Aber wenn ein Bianchi in Celeste vor einem Café steht, erkennt man es meistens aus mehreren Metern Entfernung. Das ist im heutigen Fahrradmarkt, in dem sich Carbonrahmen, integrierte Cockpits und elektronische Schaltungen zunehmend ähneln, ein nicht zu unterschätzender Wert.

Die Bianchi Rennräder im Überblick

Bianchi konzentriert sich bei seinen aktuellen Rennrädern im Wesentlichen auf drei unterschiedliche Charaktere: Oltre, Specialissima und Infinito. Dazu kommt mit der Via Nirone 7 ein Modell für den Einstieg beziehungsweise für Fahrer, die weniger auf maximale Performance als auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus sind. Die drei wichtigsten Modelle verfolgen dabei erstaunlich unterschiedliche Philosophien.

ModellCharakterIdeal für
Bianchi OltreAero-RennradGeschwindigkeit, Rennen, schnelle Trainingsrunden
Bianchi SpecialissimaLeichter AllrounderBerge, Alpen, sportliche Allrounder
Bianchi InfinitoEndurance/Allroundlange Distanzen, Komfort, schlechte Straßen
Bianchi Via Nirone 7Einstieg/AllroundEinsteiger und preisbewusste Rennradfahrer

Die Entscheidung zwischen ihnen sollte deshalb nicht nach dem Preis oder dem Aussehen getroffen werden, sondern danach, wie und wo man tatsächlich fährt.

Bianchi Oltre: Wenn Geschwindigkeit das wichtigste Argument ist

Das Oltre ist das aerodynamische Rennrad im Bianchi-Programm. Es richtet sich an Fahrer, die auf flachen und welligen Strecken möglichst effizient unterwegs sein wollen – und natürlich an diejenigen, die einfach Freude daran haben, ein kompromisslos auf Geschwindigkeit ausgelegtes Rennrad zu fahren. Bianchi positioniert das Oltre als Aero-Plattform. Die aktuelle Modellfamilie reicht vom Oltre Race bis zum Oltre Pro und dem Topmodell Oltre RC. An der Spitze steht das Oltre RC. Bianchi setzt dort auf einen stark integrierten Rahmen- und Cockpitaufbau und eine konsequente Aerodynamik-Philosophie. Das Topmodell wird aktuell unter anderem mit SRAM Red oder Shimano Dura-Ace angeboten und kostet in der aktuellen Ausführung 12.600 Euro. Das Oltre ist damit klar ein Rennrad für Menschen, die Performance nicht nur als abstrakten Wert verstehen.

Für wen lohnt sich das Oltre?

Wer regelmäßig schnelle Gruppenfahrten, Rennen oder flache bis wellige Gran Fondos fährt, findet im Oltre einen logischen Partner. Wer dagegen hauptsächlich lange Alpenpässe fährt, wird mit einer Specialissima wahrscheinlich glücklicher. Und wer vor allem vier oder fünf Stunden entspannt über Nebenstraßen fährt, braucht die Aero-Optimierung des Oltre schlicht nicht. Das bedeutet nicht, dass das Oltre auf Bergen langsam wäre. Moderne Aero-Rennräder sind längst nicht mehr die schweren, trägen Maschinen vergangener Generationen. Aber die Priorität ist eindeutig: Geschwindigkeit zuerst.

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Bianchi Specialissima: Das Rennrad für die Berge

Wenn das Oltre für Geschwindigkeit im Wind steht, ist die Specialissima Bianchis Antwort auf die Frage, wie ein modernes Kletterrad aussehen muss. Dabei hat sich das Konzept verändert. Die aktuelle Specialissima ist nicht mehr nur ein möglichst leichter Rahmen mit möglichst wenig Material. Bianchi hat das Modell aerodynamisch weiterentwickelt und versucht, geringes Gewicht und bessere Aerodynamik miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Bianchi gibt für das komplette Specialissima-System ein Gewicht von rund 6,6 Kilogramm an. Gleichzeitig wurde die Aerodynamik gegenüber der vorherigen Generation verbessert. Bianchi spricht bei der aktuellen Generation von einem Allrounder, der besonders bei steigenden Steigungen seine Stärken ausspielt. Nach Herstellerangaben liegt die Schwelle, ab der die Specialissima gegenüber der Oltre RC Vorteile bietet, abhängig von der Leistung des Fahrers bereits bei moderaten Steigungen. Das ist für Hobbyfahrer interessanter, als es zunächst klingt. Denn die meisten ambitionierten Rennradfahrer sind keine Profis, die 420 Watt über längere Zeit treten. Ein Rennrad muss deshalb nicht nur im Windkanal oder bei der Tour de France funktionieren. Es muss auch bei 220 oder 250 Watt einen spürbaren Vorteil liefern.

Specialissima RC, Pro und Comp

Bianchi bietet die Specialissima in mehreren Ausstattungsstufen an. Die aktuelle Modellpalette reicht von der Specialissima mit Shimano 105 Di2 oder SRAM Rival bis zur Specialissima Pro und der Specialissima RC. Die RC liegt mit rund 11.550 Euro deutlich im High-End-Bereich. Interessant ist deshalb vor allem die Specialissima Pro. Sie bringt viele Eigenschaften der Rennmaschine in eine Ausstattung, die für ambitionierte Amateure realistischer ist. Wer häufig in den Alpen, Pyrenäen oder Dolomiten unterwegs ist, sollte die Specialissima bei der Bianchi-Auswahl ganz oben auf die Liste setzen.

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Bianchi Infinito: Das unterschätzte Rennrad

Das dritte wichtige Rennrad im Bianchi-Portfolio ist das Infinito. Und es ist wahrscheinlich das Modell, das für viele Hobbyfahrer vernünftiger ist als Oltre oder Specialissima. Denn das Infinito stellt nicht die maximale Rennperformance in den Mittelpunkt, sondern die Frage: Wie lange kann ich auf diesem Fahrrad wirklich angenehm fahren? Die neue Generation kombiniert sportliche Fahreigenschaften mit einer komfortorientierten Auslegung. Bianchi verwendet dafür unter anderem die weiterentwickelte Countervail-Technologie zur Vibrationsdämpfung. Gleichzeitig wurde die Geometrie angepasst: mehr Stack, längere Kettenstreben und eine auf lange Distanzen ausgelegte Sitzposition sollen Stabilität und Komfort verbessern. Besonders interessant ist die Reifenfreiheit von bis zu 40 Millimetern bei Slicks. Damit bewegt sich das Infinito technisch bereits sehr nah an der Grenze zwischen modernem Endurance-Rennrad und Gravel-orientiertem Allrounder. Dazu kommt ein integriertes Staufach im Unterrohr, in dem sich beispielsweise Werkzeug oder eine leichte Jacke unterbringen lässt. Das Infinito ist damit möglicherweise das Bianchi mit dem größten praktischen Einsatzbereich. Die aktuelle Preisspanne reicht von rund 2.790 Euro mit mechanischer Shimano-105-Schaltung bis knapp 7.000 Euro für die Infinito Pro.

Unser Tipp für Langstreckenfahrer

Wer ein Rennrad für die 200-Kilometer-Runde sucht, regelmäßig Brevets fährt, lange Alpenpässe plant oder einfach möglichst viele Stunden im Sattel verbringen möchte, sollte das Infinito ernsthaft probefahren. Nicht jedes schnelle Fahrrad muss sich aggressiv anfühlen.

Bianchi Gravel Bikes: Zwischen Rennmaschine und Abenteuer

Gravel hat Bianchi vergleichsweise spät so konsequent besetzt wie einige Wettbewerber. Inzwischen ist die Modellpalette jedoch klar strukturiert.

Die wichtigste Unterscheidung lautet:

Impulso = schnell.
Arcadex = vielseitig und abenteuerorientiert.

Diese Differenzierung ist sinnvoll, weil „Gravel“ längst kein eindeutiger Fahrradtyp mehr ist. Wer bei einem Gravel-Rennen möglichst schnell über Schotter fahren möchte, braucht etwas anderes als jemand, der mit Gepäck mehrere Tage durch die Alpen fährt.

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Bianchi Impulso: Das Gravel Bike für Geschwindigkeit

Das Impulso ist die sportliche Gravel-Plattform von Bianchi. Bianchi beschreibt es selbst als auf Geschwindigkeit ausgelegt und spricht von Aero-Optimierung und leichten Aufbauten. Die Modellfamilie reicht vom Impulso Comp über das Pro bis zum Impulso RC. Das Topmodell Impulso RC wird aktuell unter anderem mit SRAM Red XPLR oder Shimano GRX Di2 angeboten. Der Preis liegt je nach Ausstattung bei bis zu rund 9.100 Euro. Das ist viel Geld für ein Gravel Bike. Aber es zeigt, wohin Bianchi mit dem Modell will: nicht zum gemütlichen Bikepacking, sondern in Richtung Gravel Race.

Das Impulso eignet sich besonders für Fahrer, die:

  • häufig Asphalt und schnellen Schotter kombinieren,
  • an Gravel-Rennen teilnehmen,
  • ein möglichst direktes und sportliches Fahrgefühl suchen,
  • wenig Gepäck transportieren,
  • und ein Gravel Bike wollen, das sich eher wie ein Rennrad als wie ein Reiserad anfühlt.

Wer dagegen hauptsächlich schlechte Forstwege, groben Schotter und lange Bikepacking-Touren fährt, sollte sich das Arcadex anschauen.

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Bianchi Arcadex: Das Gravel Bike für Abenteuer

Das Arcadex verfolgt einen anderen Ansatz. Hier geht es weniger darum, auf den ersten 100 Kilometern eines Gravel-Rennens die Konkurrenz abzuhängen. Das Arcadex soll vielmehr dort funktionieren, wo die Straße aufhört, der Weg schlechter wird und die Route nicht mehr vollständig vorhersehbar ist. Bianchi beschreibt das Modell entsprechend als Plattform für Abenteuer und Touren abseits klassischer Routen.

2026 wurde die Familie um das Arcadex AL erweitert. Das Aluminium-Modell besitzt eine Reifenfreiheit von bis zu 50 Millimetern, Befestigungsmöglichkeiten an der Gabel und eine Geometrie, die stärker auf Stabilität und vielseitigen Offroad-Einsatz ausgerichtet ist. Das ist ein wichtiger Schritt für Bianchi: Gravel wird dadurch nicht nur als Rennsport verstanden, sondern als eigenständige Fahrradkategorie für Reisen, Alltag und Entdeckung. Die aktuelle Arcadex-Palette reicht vom Arcadex AL für rund 1.640 beziehungsweise 1.990 Euro über die Carbon-Comp-Modelle bis zum Arcadex Pro mit Preisen von bis zu etwa 5.150 Euro.

Impulso oder Arcadex – welches Bianchi Gravel Bike ist das richtige?

Die Entscheidung lässt sich erstaunlich einfach treffen. Impulso, wenn du möglichst schnell sein möchtest. Arcadex, wenn du möglichst weit kommen möchtest. Das Impulso fühlt sich näher am Rennrad an. Das Arcadex gibt dir mehr Freiheit bei Reifen, Untergrund, Gepäck und Routenwahl. Wer morgens 100 Kilometer Gravel fährt und am Nachmittag wieder zu Hause sein möchte, wird wahrscheinlich mit dem Impulso glücklich. Wer dagegen eine Woche mit Zelt, Taschen und GPS durch die Berge fahren möchte, sollte zum Arcadex greifen.

Bild: Bianchi

Und wo bleibt die Via Nirone 7?

Die Via Nirone 7 trägt den Namen von Bianchis ursprünglicher Mailänder Adresse und ist heute eine der günstigeren Möglichkeiten, in die Welt der Marke einzusteigen. Interessant ist, dass Bianchi das Modell inzwischen auch als Gravel- beziehungsweise Allroad-orientierte Variante anbietet. Die aktuelle Palette reicht von einem Modell mit CUES 1×9 bis zu einer Variante mit Shimano GRX 610 1×12. Damit ist die Via Nirone 7 weniger ein Rennrad für ambitionierte Wettkampffahrer als ein vielseitiger Einstieg in die Bianchi-Welt. Und genau dafür ist sie interessant.

Was Bianchi technisch besonders macht

Bianchi hat über die Jahrzehnte immer wieder eigene Technologien entwickelt. Manche davon sind heute Teil der Markengeschichte, andere finden sich weiterhin in aktuellen Fahrrädern. Besonders bekannt ist Countervail. Das viskoelastische Materialkonzept wurde ursprünglich entwickelt, um Vibrationen zu reduzieren. In der aktuellen Infinito-Generation wurde die Technologie weiterentwickelt und mit der Konstruktion der Sattelstütze kombiniert. Bianchi gibt an, dass die neue Countervail-Lösung 20 Prozent leichter als die vorherige Generation ist. Das ist typisch für Bianchi: Nicht jede Innovation soll auf dem Datenblatt spektakulär aussehen. Entscheidend ist, was am Ende beim Fahrer ankommt. Das gilt auch für die aktuellen Rahmenformen, integrierten Cockpits und die Kombination aus Aerodynamik und geringem Gewicht.

Bianchi im Vergleich zu Specialized, Trek, Cervélo und Colnago

Technisch betrachtet ist Bianchi längst kein romantischer Außenseiter mehr. Die Marke konkurriert direkt mit Herstellern wie Specialized, Trek, Cervélo, Pinarello und Colnago. Unterschiede gibt es trotzdem. Cervélo ist traditionell besonders stark in Aerodynamik und Performance. Specialized verfügt über eine enorme Entwicklungs- und Modellbreite. Trek punktet mit einem sehr großen internationalen Händler- und Servicenetz. Colnago verbindet ebenfalls Rennsportgeschichte und italienisches High-End-Image. Bianchi besitzt dagegen etwas, das sich schwer konstruieren lässt: eine außergewöhnlich geschlossene Markenidentität. Das Fahrrad sieht italienisch aus. Es fühlt sich italienisch an. Und die Geschichte ist nicht nachträglich erfunden worden, um ein Premiumprodukt zu verkaufen – sie ist tatsächlich Teil der Marke.

Was ein Bianchi heute kostet

Bianchi deckt inzwischen eine große Preisspanne ab. Bei den Rennrädern beginnt das aktuelle Programm ungefähr bei 2.790 Euro für das Infinito mit Shimano 105 und reicht bis zu deutlich über 12.000 Euro für Oltre RC und Specialissima RC. Auch bei Gravel ist die Bandbreite groß. Das günstigste aktuelle Arcadex AL liegt bei etwa 1.640 Euro, während das Impulso RC je nach Ausstattung über 9.000 Euro kostet. Das ist wichtig, weil Bianchi damit nicht mehr ausschließlich eine Marke für italienische Rennrad-Enthusiasten mit großem Budget ist. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Wie viel Fahrrad braucht man? Für die meisten Hobbyfahrer ist ein 12.000-Euro-Rennrad nicht schneller genug, um den Preisunterschied gegenüber einem 4.000- oder 5.000-Euro-Modell im Alltag zu rechtfertigen. Bei Bianchi gilt das genauso wie bei jeder anderen Premium-Marke.

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Welches Bianchi passt zu welchem Fahrer?

Du willst maximale Geschwindigkeit?

Bianchi Oltre

Das richtige Werkzeug für schnelle Gruppen, Rennen, flache Strecken und ambitioniertes Training.

Du fährst viele Berge?

Bianchi Specialissima

Leicht, reaktiv und inzwischen aerodynamischer als klassische Kletterräder.

Du willst lange Strecken fahren?

Bianchi Infinito

Mehr Komfort, mehr Reifenfreiheit und eine entspanntere Ausrichtung machen es zum vermutlich vielseitigsten Rennrad der Marke.

Du willst Gravel-Rennen fahren?

Bianchi Impulso

Sportliche Geometrie, geringes Gewicht und eine klare Ausrichtung auf schnelles Gravel.

Du willst Bikepacking und Abenteuer?

Bianchi Arcadex

Mehr Reifenfreiheit, mehr Befestigungsmöglichkeiten und eine auf Kontrolle ausgelegte Ausrichtung.

Du suchst ein günstigeres Bianchi?

Via Nirone 7 beziehungsweise Arcadex AL

Beide bieten einen deutlich niedrigeren Einstieg in die Bianchi-Welt.

Ist Bianchi eine gute Fahrradmarke?

Ja. Aber die interessantere Antwort lautet: Bianchi ist vor allem dann eine gute Marke, wenn man ihre Modelle richtig auswählt. Die technische Qualität der aktuellen Fahrräder steht außer Frage. Entscheidend ist vielmehr, dass man nicht automatisch zum teuersten Modell greifen sollte. Das Oltre ist nicht „besser“ als das Infinito. Es ist anders. Die Specialissima ist nicht „besser“ als das Oltre. Sie ist für einen anderen Einsatz optimiert. Und das Arcadex ist nicht das schlechtere Impulso. Es verfolgt schlicht eine andere Idee von Gravel. Genau darin liegt die Stärke des aktuellen Bianchi-Portfolios.

Bianchi 2026: Eine Marke zwischen Tradition und Neuaufbruch

Bianchi versucht derzeit, seine Geschichte nicht nur zu konservieren, sondern neu zu interpretieren. Mit neuen Modellgenerationen, einer breiteren Gravel-Palette und der Weiterentwicklung der Marke als Erlebniswelt soll Bianchi auch für eine neue Generation von Radfahrern interessant bleiben. Dazu gehört unter anderem Casa Bianchi im Mailänder Brera-Viertel, wo Bianchi seine Produkte, Geschichte und Marke stärker miteinander verbinden will. Auch die geplante beziehungsweise im Aufbau befindliche Museums- und Erlebniswelt sowie die neue Officina sollen die Verbindung von Tradition und Individualisierung stärken. Das ist mehr als Marketing. Denn Bianchi besitzt einen Schatz, den sich kein Start-up kaufen kann: mehr als 140 Jahre Fahrradgeschichte. Die Herausforderung besteht darin, daraus keine Nostalgie-Marke zu werden.

Die aktuellen Modelle zeigen, dass Bianchi diesen Weg offenbar nicht gehen will. Oltre und Specialissima sind moderne High-Performance-Rennräder. Infinito bringt Endurance und Gravel-Kompatibilität zusammen. Impulso positioniert sich im wachsenden Gravel-Racing-Markt. Arcadex spricht die Abenteuerseite des Gravelns an. Die Marke versucht damit, etwas Schwieriges zu schaffen: Tradition als Ausgangspunkt für moderne Fahrräder zu nutzen, ohne von ihr abhängig zu sein.

Fazit: Bianchi ist mehr als Celeste

Bianchi ist eine jener Fahrradmarken, bei denen die Geschichte einen Teil des Produkts ausmacht. Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Wer ausschließlich nach dem besten Preis-Gewichts-Verhältnis sucht, wird bei anderen Herstellern möglicherweise schneller fündig. Wer dagegen ein technisch modernes Rennrad oder Gravel Bike sucht und gleichzeitig Wert auf Design, Markenidentität und Rennsportgeschichte legt, bekommt bei Bianchi eine ungewöhnlich stimmige Kombination. Das Oltre ist das Bianchi für Geschwindigkeit. Die Specialissima ist das Bianchi für die Berge. Das Infinito ist das Bianchi für lange Tage im Sattel. Das Impulso ist das Bianchi für schnelles Gravel. Das Arcadex ist das Bianchi für Abenteuer. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahre: Bianchi ist nicht mehr nur das Fahrrad von Coppi oder Pantani. Die Marke hat aus ihrer Geschichte eine moderne Produktwelt entwickelt. Das Celeste ist geblieben. Aber darunter steckt inzwischen deutlich mehr als Nostalgie.

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Marcus Noack

Marcus lebt und atmet das Thema Fahrrad. Wenn er nicht gerade über die neuesten Trends, Technik-Highlights oder spannende Touren schreibt, sitzt er selbst im Sattel seines Cervélo S5 und sammelt Kilometer auf den schönsten Straßen und Anstiegen Europas.

Als leidenschaftlicher Rennradfahrer hat er bereits zweimal den legendären Ötztaler Radmarathon erfolgreich absolviert – eine der härtesten und renommiertesten Jedermann-Veranstaltungen im Radsport. Für ihn sind lange Anstiege, schnelle Abfahrten und anspruchsvolle Herausforderungen kein Hindernis, sondern genau der Grund, warum er das Radfahren liebt.

Immer auf der Suche nach der nächsten geilen Ausfahrt, neuen Strecken und unvergesslichen Fahrerlebnissen, bringt Marcus seine Erfahrungen direkt in seine Beiträge ein. Ob Rennrad, Bike-Technik, Ausrüstung oder Tourentipps – er schreibt aus der Perspektive eines echten Enthusiasten, der weiß, worauf es auf der Straße wirklich ankommt.

Sein Motto: Das beste Rad ist das, das gerade unterwegs ist.

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