
Gravel Bikes 2027: Wenn aus einer Kategorie plötzlich vier werden
Vor ein paar Jahren war die Sache noch einfach: Ein Gravel Bike war im Grunde ein Rennrad mit breiteren Reifen, ein bisschen mehr Platz am Rahmen und der Aussicht, auch mal einen Feldweg zu überleben. 2027 stimmt dieses Bild nicht mehr. Der Markt hat sich aufgefächert – in ultraleichte Gravel-Racer, komfortable Adventure-Bikes für Bikepacking, sportliche Allrounder und inzwischen sogar leichte Gravel-E-Bikes. Gleichzeitig nähern sich manche dieser Kategorien wieder an: Es gibt 2027 Gravel Bikes, die sich auf glattem Asphalt kaum noch von einem Rennrad unterscheiden lassen, und andere, die technisch näher am Mountainbike liegen als am klassischen Kiesweg-Renner. Für Käufer bedeutet das: mehr Auswahl, aber auch mehr Sorgfalt bei der Frage, was man eigentlich will. Vom Aluminium-Einsteiger für rund 1.300 Euro bis zum Carbon-Racebike für über 10.000 Euro reicht das Feld – dazwischen liegen Fragen zu Reifenbreite, Antriebskonzept, Schaltung und Material, die den Unterschied zwischen einem Fahrrad, das zum eigenen Leben passt, und einem, das im Keller steht, tatsächlich ausmachen.
Der wichtigste Trend: Spezialisierung
Die auffälligste Entwicklung der Saison 2027 ist, dass Hersteller ihre Gravel-Modelle immer klarer auseinanderdividieren, statt ein einziges Rad für alles anzubieten. Ein Gravel-Race-Bike soll heute leicht und effizient sein – vergleichbar mit einem Rennrad, nur mit etwas mehr Reifenfreiheit. Ein Adventure-Gravel-Bike braucht dagegen große Reifen, viele Montagepunkte für Taschen und Gepäckträger und eine Geometrie, die auch nach acht Stunden im Sattel noch komfortabel bleibt. Und ein Allrounder muss beides zumindest teilweise können, ohne bei einer der beiden Eigenschaften komplett zu versagen.
Drei Beispiele zeigen, wie ernst die Hersteller diese Differenzierung inzwischen nehmen:
Giant hat mit dem Revolt Advanced SL ein komplett neu entwickeltes Gravel-Race-System vorgestellt. Der neue Rahmen wiegt laut Hersteller 839 Gramm, das komplette Topmodell Revolt Advanced SL 0 kommt als fahrfertiges System auf 4,237 Kilogramm – ein Gewicht, das noch vor wenigen Jahren nicht einmal bei vielen Rennrädern selbstverständlich war, geschweige denn bei einem Rad mit Gravel-tauglicher Reifenfreiheit. Das ist mehr als eine Randnotiz: Es zeigt, dass Gravel Racing nicht länger als gemütlichere Alternative zum Rennsport verstanden wird, sondern als eigene Hochleistungskategorie mit eigenem technischem Anspruch.
Specialized geht mit dem neuen Diverge 4 den entgegengesetzten Weg und positioniert das Rad bewusst zwischen Rennen und Abenteuer: bis zu 50 Millimeter Reifenfreiheit, ein Federungselement im Steuerrohr (Future Shock) für zusätzlichen Komfort auf grobem Untergrund, dazu das SWAT-4.0-Staufachsystem, das Werkzeug und Ausrüstung im Rahmen statt in einer zusätzlichen Tasche verstaut.
Und CUBE baut die Nuroad-Familie für 2027 zu einem regelrechten Baukasten aus – vom Aluminium-Einstiegsmodell Nuroad ONE mit bis zu 50 Millimeter Reifenfreiheit und Zubehör-Montagepunkten für Gepäckträger und Schutzbleche bis zu den leichteren C:62-Carbonvarianten weiter oben in der Preisliste. Ein Modellname, aber sehr unterschiedliche Interpretationen dessen, was ein Gravel Bike sein kann.
Zusammengefasst prägen diese Linien die Saison 2027:
- Gravel-Race-Bikes werden spürbar leichter, teils in den Bereich moderner Rennräder hinein.
- 45 bis 50 mm Reifenfreiheit werden bei Allroundern und Adventure-Modellen zum neuen Normalzustand, Adventure-Räder gehen teils bis 2,1 Zoll.
- 1x-Antriebe dominieren sportliche Modelle, 2x bleibt für Vielfahrer mit langen Asphaltpassagen relevant.
- Elektronische Schaltungen und interne Staufächer wandern von der Oberklasse in mittlere Preissegmente.
- Gravel-E-Bikes werden leichter und näher an klassischen, unmotorisierten Rädern konstruiert.
Die wichtigsten Modelle im Überblick
Weil die Hersteller ihre Modelljahre nicht gleichzeitig vorstellen, ist die Liste der 2027er Gravel Bikes im September 2026 noch nicht vollständig – einige Modelle sind bereits im Handel, andere folgen im Saisonverlauf:
| Hersteller | Modell(-familie) | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| CUBE | Nuroad | Allround, Adventure, Race |
| Specialized | Diverge 4 | Allround, Adventure, Race |
| Specialized | Crux | Gravel Race |
| Canyon | Grail | Gravel Race |
| Canyon | Grizl | Adventure / Bikepacking |
| Giant | Revolt Advanced SL | Gravel Race |
| Giant | Revolt Advanced | Allround |
| Scott | Addict Gravel | Performance / Allround |
| Scott | Speedster Gravel | Allround |
| Orbea | Terra | Allround / Adventure |
| Trek | Checkpoint | Allround / Adventure |
| BMC | Kaius | Gravel Race |
| Cervélo | Áspero | Gravel Race |
Wer baut was – und warum
CUBE verteilt seine Nuroad-Serie klar nach Einsatzzweck: Das Nuroad ONE bildet mit Aluminiumrahmen und bis zu 50 Millimeter Reifenfreiheit den Einstieg und richtet sich an Fahrer, die ein unkompliziertes Rad für Alltag, Touren und erste Bikepacking-Versuche suchen – die Möglichkeit, Gepäckträger und Schutzbleche zu montieren, macht daraus faktisch auch ein alltagstaugliches Pendlerrad. Wer stattdessen Gewicht und sportliche Performance priorisiert, findet in den C:62-Carbonvarianten der Familie die konsequentere Antwort. Der Clou dabei: Ein Modellname für mehrere sehr unterschiedliche Fahrräder – man muss beim Kauf also genauer hinschauen, welche Nuroad-Variante man vor sich hat.
Specialized deckt mit zwei getrennten Baureihen zwei unterschiedliche Philosophien ab. Das Diverge 4 ist der Allrounder mit Ambitionen zum Abenteuer: Je nach Ausstattung reicht die Palette vom Aluminium-Einstieg mit Shimano CUES (Diverge 4 Sport Alloy, 2.299 Euro) über die Carbonvariante mit Shimano GRX 600 (Diverge 4 Sport Carbon, 3.499 Euro) bis zu Topausführungen mit SRAM RED XPLR oder einer Kombination aus Shimano XTR und GRX Di2. Das Crux dagegen zielt konsequent auf Gewicht und Renntempo – von einer Comp-Ausführung mit SRAM Apex XPLR für 2.699 Euro bis zu S-Works-Modellen jenseits der 10.000-Euro-Marke. Wer bei Specialized also zwischen Diverge und Crux wählt, entscheidet sich im Grunde zwischen zwei Gravel-Welten: der vielseitigen und der sportlichen.
Canyon trennt seine beiden Gravel-Linien noch deutlicher. Das Grail ist auf Geschwindigkeit und ein leichtes, aerodynamisches Setup ausgelegt – die naheliegende Wahl für Gravel-Rennen und schnelle Touren, bei denen Asphaltanteile eine Rolle spielen. Das Grizl geht den umgekehrten Weg: bis zu 54 Millimeter Reifenfreiheit beziehungsweise Reifen bis 2,1 Zoll, zahlreiche Befestigungspunkte und integrierter Stauraum machen es zum klaren Adventure- und Bikepacking-Rad, erhältlich bereits ab 1.299 Euro als Aluminiummodell. Der Unterschied lässt sich pragmatisch zusammenfassen: Wer überwiegend Asphalt und schnellen Schotter fährt, braucht die enorme Reifenfreiheit des Grizl nicht; wer mehrtägig mit Gepäck unterwegs ist oder auch mal einen Singletrail mitnimmt, ist mit dem Grizl-Konzept besser bedient als mit dem sportlicheren Grail.
Giant setzt beim Revolt Advanced SL das deutlichste technische Zeichen der Saison. Dass ein komplettes, fahrfertiges Gravel-Rad unter 4,3 Kilogramm wiegen kann, war bislang eher Rennradterrain. Bemerkenswert ist dabei, wie der Rahmen entwickelt wurde: nicht isoliert auf minimales Gewicht, sondern als Gesamtsystem aus Rahmen, Gabel, Cockpit und Laufrädern – eine Entwicklungslogik, die man bislang eher von Aero-Rennrädern kannte. Das reguläre Revolt Advanced verfolgt dagegen einen bewusst vielseitigeren Ansatz: Mit einem Flip-Chip zur Geometrieanpassung und bis zu 53 Millimeter Reifenfreiheit soll es schnelle Asphaltkilometer ebenso abdecken wie lange Gravel-Touren.
Scott zeigt die Marktaufteilung ebenfalls exemplarisch: Das Carbon-Modell Addict Gravel bedient sportliche Fahrer mit mechanischen wie elektronischen Antriebsoptionen, das Speedster Gravel eine stärker preisorientierte Zielgruppe. Interessanter ist aber die dritte Schiene: das Solace Gravel eRIDE, das eine auf lange Strecken ausgelegte Geometrie mit einem TQ-HPR60-Antrieb und einem vergleichsweise kompakten 360-Wattstunden-Akku kombiniert – ein leichtes E-Gravelbike also, das nicht auf maximale Reichweite, sondern auf möglichst natürliches Fahrgefühl zielt.
Gravel Race oder Rennrad?
Die Antwort hängt fast ausschließlich von der Strecke ab. Auf überwiegend asphaltierten Straßen bleibt ein Rennrad im Vorteil, gerade bei hohem Tempo, wo jedes Gramm Rollwiderstand und jeder Aerodynamik-Nachteil spürbar wird. Sobald aber Schotter, schlechte Wirtschaftswege oder längere unbefestigte Abschnitte ins Spiel kommen, dreht sich das Bild – und moderne Gravel-Race-Bikes wie das Giant Revolt Advanced SL oder das Specialized Crux sind auf Asphalt inzwischen erstaunlich nah an einem Rennrad dran. Für Fahrer, die ein einziges Rad für Straße und Gravel suchen, ist ein sportliches Gravel Bike deshalb eine ernstzunehmende Alternative geworden – nicht nur ein Kompromiss.
Ein Sonderfall sind Modelle, die sich mit zwei Laufradsätzen betreiben lassen: Mit einem schnellen 700C-Satz und 35- bis 40-Millimeter-Reifen wird aus einem Gravel Bike beinahe ein Rennrad; mit einem zweiten Laufradsatz und 45- bis 50-Millimeter-Reifen wird dasselbe Rad zum Adventure-Bike. Wer sich die Anschaffung leisten kann, bekommt damit faktisch zwei Fahrräder in einem.
Reifenbreite: die eigentliche Stellschraube
Kaum ein anderer Faktor beeinflusst Komfort, Grip, Rollwiderstand und Fahrverhalten eines Gravel Bikes so stark wie der Reifen – stärker oft als Rahmenmaterial oder Schaltgruppe. Als grobe Orientierung:
- 40–42 mm – schnell, leicht, ideal für zügigen Gravel und Asphaltanteile.
- 43–45 mm – der praktische Allround-Bereich für die meisten Einsatzzwecke.
- 47–50 mm – mehr Komfort und Kontrolle auf grobem Untergrund, etwa beim Specialized Diverge 4.
- 50–54 mm – Adventure und Bikepacking, wie beim Canyon Grizl.
- bis 2,1 Zoll – Übergangsbereich zwischen Gravel Bike und Mountainbike.
Mehr Reifenfreiheit ist dabei nicht automatisch besser: Breitere Reifen brauchen Platz, erhöhen tendenziell Gewicht und Rollwiderstand und lohnen sich vor allem dann, wenn der Untergrund es auch tatsächlich verlangt. Wer zu 70 Prozent Asphalt und nur zu 30 Prozent Gravel fährt, braucht ein anderes Setup als jemand mit umgekehrtem Verhältnis – ein grober 50-Millimeter-Reifen auf überwiegend glattem Belag bremst schlicht unnötig.
Tubeless-Systeme bleiben dabei die naheliegende Ergänzung: Niedrigere Luftdrücke steigern Komfort und Grip, ohne dass das Risiko klassischer Durchschläge zwangsläufig steigt. Der Preis dafür ist etwas mehr Wartungsaufwand – wer möglichst wenig Aufwand möchte, fährt mit einem klassischen Schlauch nach wie vor unkomplizierter, wenn auch mit spürbaren Komfort- und Pannenschutz-Einbußen.
1x oder 2x, elektronisch oder mechanisch
Bei der Antriebsfrage bleibt es 2027 bei den bekannten Abwägungen, nur dass die Optionen in jeder Preisklasse zugänglicher werden. Ein 1x-Antrieb – ein einzelnes Kettenblatt vorn – reduziert Schaltvorgänge und macht das System mechanisch robuster, was gerade bei schmutzigem, wechselndem Gelände von Vorteil ist. Ein 2x-Antrieb bietet dafür feinere Gangsprünge und einen größeren nutzbaren Geschwindigkeitsbereich, was sich vor allem bei langen, schnellen Asphaltpassagen bemerkbar macht. Wer viel auf wechselndem Untergrund unterwegs ist und eine einfache Bedienung schätzt, ist mit 1x meist besser bedient; wer regelmäßig lange, zügige Straßenabschnitte fährt, profitiert von 2x.
Elektronische Schaltungen – Shimano GRX Di2 und SRAM XPLR AXS – sind inzwischen keine reinen Spitzenmodell-Optionen mehr, wie die Modellpalette des Diverge 4 zeigt, die von mechanischem Shimano CUES bis zu GRX Di2 und SRAM Force XPLR reicht. Notwendig ist eine elektronische Schaltung trotzdem nicht: Eine gut eingestellte mechanische Gravel-Gruppe schaltet zuverlässig, lässt sich unterwegs leichter reparieren und ist in der Regel günstiger in Anschaffung und Wartung.
Carbon oder Aluminium – die falsche Frage
Carbon ist nicht automatisch die bessere Wahl, auch wenn es das bei Gravel Bikes oft suggeriert wird. Der Werkstoff bringt Vorteile bei Gewicht und konstruktiver Freiheit, was gerade für Race-Gravel relevant ist – siehe Giants 839-Gramm-Rahmen. Aluminium punktet dagegen bei Robustheit und Preis, und für Bikepacking kann ein etwas schwereres Aluminium-Rad sogar die vernünftigere Wahl sein: Es verzeiht Stürze und Gepäckstress gelassener als ein leichter Carbonrahmen. Die sinnvollere Frage lautet deshalb nicht „Carbon oder Aluminium?“, sondern: Wofür wird das Rad tatsächlich gebraucht? Für Rennen und schnelle Touren spricht vieles für Carbon, für Alltag, Winterbetrieb, Pendeln und Abenteuer reicht hochwertiges Aluminium meist völlig aus – gerade weil unter 1.500 Euro ohnehin nicht die Rahmenmasse, sondern Geometrie, Bremsanlage, Laufräder und Reifenfreiheit über die Qualität des Rades entscheiden.
Was ein Gravel Bike 2027 kostet
| Budget | Was 2027 realistisch ist |
|---|---|
| bis 1.500 € | Aluminium-Einstieg |
| 1.500–2.500 € | gute Aluminium- und erste Carbonmodelle |
| 2.500–4.000 € | hochwertige Carbon- und Allround-Gravelbikes |
| 4.000–6.000 € | Performance-Carbon, elektronische Schaltungen |
| 6.000–10.000 € | High-End Gravel Race |
| über 10.000 € | Topmodelle und Race-Flaggschiffe |
Konkrete Beispiele zeigen, wie breit einzelne Modellfamilien inzwischen gestreut sind: Das Canyon Grizl AL startet bei 1.299 Euro, das Specialized Diverge 3 Alloy bei 1.549 Euro – unterhalb von 2.000 Euro bekommt man damit längst kein einfaches „Crossrad mit Dropbar“ mehr, sondern moderne Geometrie, hydraulische Scheibenbremsen und solide Gravel-Gruppen. Am oberen Ende reicht die Spanne beim Diverge 4 von 2.299 Euro bis zu 13.999 Euro für die S-Works-Ausführung, beim Giant Revolt Advanced SL 0 liegt der Einstieg bei 10.000 Euro.
Wer unter 1.500 Euro bleiben will, sollte weniger auf das Rahmenmaterial als auf Geometrie und Ausstattung achten: hydraulische Scheibenbremsen, ausreichend Reifenfreiheit, eine passende Übersetzung, Steckachsen, moderne Laufradstandards, sinnvolle Befestigungspunkte und eine Sitzposition, die zum eigenen Körper passt – all das beeinflusst das Fahrerlebnis stärker als die Frage, ob der Rahmen aus Carbon oder Aluminium besteht.
Für Bikepacking zählt anderes als Gewicht
Wer ein Gravel Bike für mehrtägige Touren mit Gepäck sucht, sollte das Rahmengewicht bewusst hinten anstellen. Ein 7,5-Kilo-Racebike kann für ein dreitägiges Bikepacking-Abenteuer die schlechtere Wahl sein als ein 10-Kilo-Rad mit zahlreichen Befestigungspunkten. Wichtiger sind: Anschraubpunkte für Taschen, Flaschen und Gepäckträger; 45 bis 50 Millimeter Reifenfreiheit oder mehr, die bei zusätzlichem Gepäckgewicht Reserven schaffen; eine leichte Übersetzung für lange Anstiege mit Zuladung; robuste statt extrem leichte Laufräder; und eine Geometrie, die nach acht Stunden im Sattel noch komfortabel ist. Das Canyon Grizl mit seinen 54 Millimetern Reifenfreiheit und dem integrierten Stauraum ist dafür ein naheliegendes Beispiel, ebenso das Specialized Diverge 4 mit seinem SWAT-System.
Gravel E-Bikes: leiser Nebentrend mit Potenzial
Elektrisch unterstützte Gravel Bikes gehören 2027 zum festen Bestandteil des Marktes, entwickeln sich aber in eine bestimmte Richtung: leichter statt stärker. Scotts Solace Gravel eRIDE mit TQ-HPR60-Antrieb und vergleichsweise kompaktem 360-Wattstunden-Akku steht exemplarisch für diesen Ansatz – weniger auf maximale Unterstützung und Reichweite ausgelegt, sondern auf ein Fahrgefühl, das einem unmotorisierten Rad möglichst nahekommt. Interessant wird das nicht nur für Fahrer, die grundsätzlich mehr Unterstützung wünschen, sondern auch für gemischte Gruppen mit unterschiedlichem Leistungsniveau oder für lange Touren mit vielen Höhenmetern. Ein klassisches, unmotorisiertes Gravel Bike bleibt trotzdem deutlich leichter und mechanisch einfacher – der Umstieg auf ein E-Gravelbike ist eine bewusste Entscheidung, keine automatische Verbesserung.
Welches Gravel Bike passt zu mir?
- Einsteiger fahren mit einem Aluminium-Allrounder, 40 bis 45 mm Reifen und moderater Geometrie meist am unkompliziertesten.
- Rennradfahrer, die Gravel ausprobieren wollen, finden in einem sportlichen Carbon-Modell mit 40 bis 45 mm Reifen einen sanften Einstieg.
- Gravel-Racer sind mit einem leichten Carbon-Bike, 1x-Antrieb und sportlicher Geometrie am besten bedient.
- Vieltourer sollten Komfort und Übersetzung wichtiger nehmen als das letzte Gramm Rahmengewicht.
- Bikepacker brauchen vor allem Befestigungspunkte, Reifenfreiheit und ein stabiles Fahrverhalten – nicht das leichteste Rad.
- Straße-und-Gravel-Pendler kommen mit einem Allrounder und 40 bis 45 mm Reifen meist am weitesten.
- Waldweg- und Trail-Fahrer profitieren von einem Adventure-Bike mit 45 bis 54 mm Reifenfreiheit.
2026er oder 2027er Modell kaufen?
Wer jetzt kaufen will, sollte nicht reflexhaft auf das neue Modelljahr warten. Mit dem Marktstart der 2027er-Generation werden viele 2026er-Modelle spürbar günstiger – gerade bei Carbon-Gravelbikes kann der Preisnachlass den Unterschied zwischen zwei Generationen größer machen, als es die technische Weiterentwicklung rechtfertigt. Wer dagegen gezielt ein neues Rahmenkonzept will – etwa das komplett überarbeitete Revolt Advanced SL oder das neue Diverge 4 –, kommt am aktuellen Modelljahr nicht vorbei. Wichtig beim Vergleichen: nicht jede neue Farbe oder Ausstattungsvariante eines 2026er-Rahmens ist automatisch ein „2027er Modell“ – im Zweifel lohnt der Blick auf das tatsächliche Modelljahr, nicht nur auf das Erscheinungsdatum im Handel.
Häufige Fragen zu Gravel Bikes 2027
Ist ein Gravel Bike schneller als ein Rennrad? Auf Asphalt in der Regel nicht – dort bleibt das Rennrad im Vorteil. Sobald Schotter oder unbefestigte Wege ins Spiel kommen, dreht sich das Bild, und ein sportliches Gravel-Race-Bike kann auch auf der Straße erstaunlich schnell sein.
Wie breit sollten Gravel-Reifen sein? 40 bis 45 Millimeter sind für die meisten Fahrer der sinnvolle Allround-Bereich. Wer regelmäßig grobes Gelände oder Bikepacking-Touren fährt, profitiert von 47 bis 54 Millimetern.
1x oder 2x? 1x ist einfacher und robuster, 2x bietet feinere Gangabstufungen für lange Asphaltpassagen. Die Wahl hängt vom eigenen Streckenprofil ab, nicht vom Modelljahr.
Braucht ein Gravel Bike eine elektronische Schaltung? Nein. Sie bietet Komfort, ist aber keine Voraussetzung – eine gute mechanische Gruppe ist zuverlässig, einfacher zu reparieren und günstiger.
Carbon oder Aluminium? Carbon zahlt sich vor allem bei leichten Race-Bikes aus. Aluminium bietet bei Einsteiger-, Alltags- und Adventure-Rädern oft das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis und mehr Robustheit unterwegs.
Wie viel sollte ein gutes Gravel Bike 2027 kosten? Brauchbare Einstiegsmodelle beginnen bei rund 1.300 bis 1.500 Euro. Für hochwertige Carbon-Allrounder sind 3.000 bis 5.000 Euro realistisch, High-End-Racebikes liegen deutlich darüber.
Kann man mit einem Gravel Bike auch im Wald fahren? Ja, gerade Adventure-Modelle sind dafür ausgelegt. Bei technisch anspruchsvollen Trails stößt ein Gravel Bike aber schneller an seine Grenzen als ein Mountainbike.
Fazit: Nicht das extremste Rad ist die beste Wahl
Die Saison 2027 zeigt, wie erwachsen die Gravel-Kategorie geworden ist. Aus dem Rennrad mit breiteren Reifen sind mehrere eigenständige Fahrradkonzepte geworden: ultraleichte Race-Bikes wie das Giant Revolt Advanced SL, vielseitige Allrounder wie das Specialized Diverge 4, klar getrennte Geschwindigkeits- und Abenteuer-Linien wie bei Canyons Grail und Grizl, und mit CUBEs Nuroad-Familie ein regelrechter Baukasten für unterschiedlichste Ansprüche.
Für die meisten Fahrer dürfte trotzdem nicht das extremste Modell die klügste Wahl sein, sondern jenes, das zum eigenen Fahrprofil passt: Wer schnell fahren will, sollte auf Gewicht, Reifen und Antriebskonzept achten. Wer lange Touren fährt, priorisiert Komfort und Übersetzung. Wer Bikepacking liebt, braucht vor allem Stauraum und Befestigungsmöglichkeiten – kein Ultraleichtgewicht. Und wer nur ein einziges Rad für Straße, Schotter, Alltag und gelegentliche Abenteuer besitzen will, findet 2027 mehr taugliche Allrounder als je zuvor.
Das Gravel Bike der Saison 2027 ist deshalb weniger ein bestimmtes Modell als eine Idee: ein Fahrrad, das sich nicht mehr auf einen einzigen Untergrund festlegen lässt – dafür aber umso genauer wissen sollte, wofür es gebaut wurde.
Stand: September 2026. Das Modelljahr 2027 ist noch nicht bei allen Herstellern vollständig vorgestellt. Preise, Ausstattungen, Gewichte und Verfügbarkeiten können sich im weiteren Saisonverlauf ändern.
Marcus lebt und atmet das Thema Fahrrad. Wenn er nicht gerade über die neuesten Trends, Technik-Highlights oder spannende Touren schreibt, sitzt er selbst im Sattel seines Cervélo S5 und sammelt Kilometer auf den schönsten Straßen und Anstiegen Europas.
Als leidenschaftlicher Rennradfahrer hat er bereits zweimal den legendären Ötztaler Radmarathon erfolgreich absolviert – eine der härtesten und renommiertesten Jedermann-Veranstaltungen im Radsport. Für ihn sind lange Anstiege, schnelle Abfahrten und anspruchsvolle Herausforderungen kein Hindernis, sondern genau der Grund, warum er das Radfahren liebt.
Immer auf der Suche nach der nächsten geilen Ausfahrt, neuen Strecken und unvergesslichen Fahrerlebnissen, bringt Marcus seine Erfahrungen direkt in seine Beiträge ein. Ob Rennrad, Bike-Technik, Ausrüstung oder Tourentipps – er schreibt aus der Perspektive eines echten Enthusiasten, der weiß, worauf es auf der Straße wirklich ankommt.
Sein Motto: Das beste Rad ist das, das gerade unterwegs ist.

